Lebenslage

Team-Pendeln.

Wer sich im Berufsfeld „Soziale Arbeit“ auskennt, der stimmt beim Begriff „Team-Pendeln“ entweder wohlig stöhnend eine tiefenentspannte Atemübung an, lässt die Klangschalen ertönen und öffnet schon mal die Arme weit für die Gruppenumarmung – oder aber sucht, von Würg-Reflexen geplagt, schreiend das Weite; ja, so wie in „Der Schrei“ von Edvard Munch. „Team-Pendeln“, das klingt nach „spürst du das Pendel auch so intensiv, wie ich es spüre“, „unglaublich, wie die Energien hin und herpendeln“ oder aber „mein Pendel schlägt gleich nachdrücklich zu!“.

Auch wenn ich gerade Sozikuchen-Unbedarften gerne noch weitere plastische Beispiele für das muntere Selbsterfahrungs-/ Esoterik- /Meta-Gschpürschmi-Berufsfeld liefern würde, muss ich euch ab dieser Stelle doch enttäuschen: Bei „Team-Pendeln“ geht es weder um farbige Energien, ein echtes Pendel noch um perfide Team-Intrigen. Nein, es geht um das „Pendeln“ im ÖV. Und zwar mit MitarbeiterInnen. Also „Team“, im weitesten Sinne. Regelmässig, wie so ein Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsort nun mal abläuft. Und nein, nicht freiwillig. Also das Pendeln an sich schon, habe ich mich damit ja mit meiner Unterschrift unter den Arbeitsvertrag nun mal dazu verpflichtet. Dass ich damit implizit auch unterschrieb, morgens und abends mit weiteren Mitarbeitenden dieser Institution in betonter Eintracht im selben Abteil des Rumpelbähnchens zu sitzen, war mir damals nicht bewusst. An dieser Stelle möhte ich ganz ehrlich folgendes betonen: Die einträchtig pendelnden Mitarbeitenden, die da mit mir im Rumpelbähnchen sitzen, sind wirklich alle nett. Wirklich! Und ich will hier auch in keinster Weise persönlich werden. Daher, um den Fokus weg von den unschuldigen MitpendlerInnen zu nehmen, richte ich ihn einfach auf mich.

Ich. Bin. Ein. Völligst. Asozialer. Haufen. Mensch. Morgens.

„Morgenmuffel“ beschreibt meine Verfassung morgens nicht mal annähernd. Ich mag nicht reden. Ich mag keinen Blickkontakt. Ich mag nicht mal in der Peripherie meines Visus irgendwelche andere Menschen sehen. Ich mag keine Geräusche hören. Ich mag keine Gerüche riechen. Ich reagiere wie eine Furie auf ungewollten Körperkontakt, der in einem vollgestopften Rumpelbähnhen kaum zu vermeiden ist. Ich HASSE andere Menschen aus tiefstem Herzen. Ich bin der soziale Super-GAU, ich bin der Antichrist jeglicher sozialer Interaktion. Von verbaler Kommunikation ganz zu schweigen.

Alles weitere, was ich zum Thema „Team-Pendeln“ sonst noch sagen könnte (und das wäre eine Menge, das meiste davon mit FSK 18) überlasse ich nun, begleitet von rhythmischen „Ommmmmm….“-Gesängen, was angesichts von stöhnenden Atemübungen gewisser Mitarbeitenden (Nein!! Die sind alle voll nett, ehrlich!!) schon fast wieder naturwissenschaftlich wirkt, jedenfalls, ich überlasse das voll und ganz eurer Phantasie. Man soll ja vorgeben, Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Mitmenschen zu haben, habe ich am letzten Teamtag gelernt.

Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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