Engagement/ Umwelt

News aus Ökostan.

Ich habe eigentlich nicht den Hang dazu, Sachen so richtig „durchzuziehen“ – dazu fehlt mir, wie an anderer Stelle beschrieben, schlicht die Disziplin (und immer noch befällt mich eine mysteriöse Übelkeit, wenn ich dieses Wort auch nur schon tippe). Jedenfalls, ich bin Motivations-mässig eher so der Typ „Stubenfliege“: „Oh, ein Krümel, wie aufregend, ich werde gleich mal… oh, ein Lichtstrahl, wie aufregend!!“ Das hat nicht nur Schlechtes: Ich bin leicht für irgendwas zu begeistern, und meine Begeisterung fällt dabei deutlich intensiver aus, als bei der disziplinierten Mehrheit. Dass ebendiese Begeisterung schon einen Tag später komplett verflogen sein kann, tja, das ist dann halt die Kehrseite der Medaille – oder so.

Phü, das war jetzt eine verflixt lange Einleitung ohne bisherigen Bezug zum eigentlichen Thema… Eigentlich wollte ich nur folgendes klarstellen: Normalerweise verflüchtigt sich mein Enthusiasmus für ein Thema etwa so schnell wie ein Furz in der Laterne. Im Bereich „Projekt Umwelt“ jedoch zeichnet sich eine Ausnahme ab. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass es was mit Ethik zu tun hat. Wenn man sich erst einmal mit Ökologie und Konsum auseinander gesetzt hat, ist es ethisch gesehen recht schwierig, das einfach so von einem Tag auf den anderen wieder auszublenden. Für mich, zumindest.

Ich möchte also weiterhin die Zerstörung des Planeten durch meine blosse Existenz so gering wie für mich möglich halten, was dazu führt, dass ich nach wie vor mein Konsumverhalten verändere. Ich konzentriere mich dabei vor allem auf Dinge, die ich täglich verwende, dazu gehört die Körperpflege, um die es im Folgenden gehen soll:

Shampoo & Dusch
Schon seit sehr lange verwende ich kein herkömmliches Shampoo mehr. Seit ich im August eine riesige Aleppo-Seife gekauft habe (die ist zu 100% natürlich, kommt ohne Verpackung daher & riecht ziemlich deftig nach Olivenöl), verwende ich die als Shampoo. Selten (in letzter Zeit aber kaum noch) nehme ich das Shampoo in der Plastik-Flasche von Lavera (Zitat Öko-Drogistin: „Mehr Bio geht nicht.“). Ausserdem spüle ich meine Haare ab und zu mit Zitronensaft, wegen dem Kalk im Wasser. Ausserdem habe ich mir in einem Anfall eine Haarspülung von Melvita in einer Plastiktube gekauft, bin damit aber nur mässig zufrieden. Insgesamt kann man sagen: Seit Mai habe ich exakt 2 Plastik-Flaschen Shampoo und 1 Plastiktube mit Spülung gekauft (wobei mein Freund das meiste Shampoo verbraucht hat). Plastikflaschen für Duschmittel habe ich für mich keine einzige mehr gekauft. Ich benutze nur noch feste Seife, seit August die Aleppo-Seife, die ich auch für die Haare verwende. Weil die bald alle ist, habe ich im Internet neue, vegane, handgemachte Haarseife bestellt. Es wird jedoch wohl wohl noch ein Weilchen dauern, bis die da ist.

Haarfarbe
Ja, ich färbe meine Haare, und das, seit ich 15 bin. Unmengen an Chemie habe ich mir in dieser ganzen Zeit in die Haare geschmiert, in einer kurzen Hippie-Phase war es Henna. Mit Anfang 20 habe ich mir dann geschworen, diese krümlige, stinkende Masse, die man mehrere Stunden (!!) einwirken lassen muss, nie wieder zu verwenden. Tja. Wie soll ich sagen: Ich habe meinen Vorsatz gebrochen. Noch im Sommer war ich beim Coiffeur und liess mir eine chemisch stinkende Coloration machen, als mir klar wurde, dass sich das irgendwie total mit meinem Haarseifentum beisst (der Begriff „Haarseifentum“, da muss ich ehrlich sein, begeistert mich enorm – „bist du katholisch?“ „Nein, ich fröne dem Haarseifentum.“ „Ah.“) . Alle Chemie, die mir auf den Kopf geschmiert wird, landet im Abwasser und dann irgendwann in einem Fluss, wo sie Lebensräume vergiftet. Eine enorm simple Erkenntnis, schon klar, aber ich brauchte auch da relativ viel Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich meine Haarfärberei umstellen muss. Meine Haare, ihr Zustand und ihre Farbe sind mir wichtig, ich bin vielleicht ein Öko geworden, aber immer noch einigermassen eitel. Jedenfalls, das gärte in meinem Kopf mehrere Monate, bis ich mich entschloss, nach einer 100% natürlichen Coloration Ausschau zu halten.

Prompt fand ich ein Produkt, das diesen Kriterien entsprach, und schon schmierte ich mir wieder eine stinkende Paste auf den Kopf, versaute das ganze Badezimmer und musste 2 Stunden eine übel riechende, bröcklige Masse auf meinem Kopf tolerieren. Das Ergebnis war wenig spektakulär (kaum eine Farbänderung), aber wenigstens glänzten die Haare danach schön.

Der Ansatz wuchs aber flott vor sich hin (man sieht einen deutlichen Unterschied zwischen „chemisch getönte Haare“ und „nicht chemisch getönte Haare“), und der Wunsch nach einer vereinheitlichenden Coloration trieb mich schliesslich dazu, dass ich mit Mitte 30 tatsächlich wieder einen Block Henna kaufte. Dass mir die beängstigend euphorische Verkäuferin versehentlich eine französische Anleitung dazu gab, konnte meine Euphorie nicht dämpfen, und so zerlegte ich mit eisernem Willen (und einer leisen Stimme im Kopf, die fragte „was zur Hölle tust du da?!“) und einem scharfen Küchenmesser in einer ziemlich unwürdigen Zeremonie den Henna-Block, um ihn mit kochendem Wasser zu einer nach angefaultem Heu riechenden Paste zu vermengen. Auch jetzt versaute ich im grossen Stil den Boden, aber ich hatte dazugelernt und war dieses Mal wenigstens in der gefliesten Küche. 2 Stunden, viel Gebrösel und Geputze später stand fest: Die Hennavariante „Marron“ ergibt auf meinen Haaren keineswegs wie von der kaugummikauenden, üppig gepiercten und mich duzenden Verkäuferin angekündigt, „hellbraun“, sondern einen penetranten Kupferton, je nach Lichteinfall geradezu orange. UND DAS SIEHT BEI MEINEM TEINT SCHEISSE AUS!! Und nein, nicht nur „ein bisschen Scheisse“, wie damals mit der Mittelalterseife. Da will man nett zur Natur sein, und dann zahlt sie einem das so heim. Was solls. Ich warte jetzt, bis ich mich wieder überwinden kann, wieder einen „Lush“ zu betreten (und nein, meine Abneigung hat mit dem hippen, barfuss arbeitenden Verkaufspersonal nichts zu tun, ehrlich) und dort den nächsten nach angefaultem Heu stinkenden Klotz zu kaufen, diesmal, Nomen est Omen, werde ich „Brun“ kaufen. Und dann werde ich euch davon erzählen, ob ihr wollt oder nicht, versprochen.

Zahnpasta
Das mit der Zahnpasta ist eine echte Knacknuss. Irgendwie scheint bis anhin niemand auf die Idee gekommen zu sein, ein Zahnpflegeprodukt zu erfinden, das nicht in einer Plastiktube daher kommt. Jedenfalls, ich habe zumindest mal versuchsweise auf ein umweltschonendes Produkt von Melvita umgestellt. Gar nicht schlecht, aber, ich muss ehrlich sagen: Die Kosten für 1 Tube entsprechen ziemlich genau dem Doppelten, was wir normalerweise für 1 Tube ausgeben. Das ist ganz schön extrem, und ich weiss nicht, ob wir uns das längerfristig wirklich leisten können, bzw., ob ich da die Priorität statt auf Körperpflege nicht auf die Lebensmittel lege (die sind nämlich in Bio-Qualität schlicht einfach deutlich teurer, das kann man nicht schönreden, Punkt.) Wir leben budgetmässig auf bescheidenem Level, und irgendwo müssen wir halt Abstriche machen. Die Frage ist immer nur, wo.

So, das wären sie, die News aus Ökostan. Inhaliert sie tief und tragt die frohe Kunde samt dem Geruch nach fauligem Heu einmal rund um den Globus. Auf das Haarseifentum!

 

Eine für alle(s): Alepposeife. Hat man aich an den herben Geruch mal gewöhnt, kann man daran eigentlich wenig aussetzen.

Eine für alle(s): Alepposeife. Hat man sich an den herben Geruch mal gewöhnt, kann man daran eigentlich wenig aussetzen, ausser, man hat trockene Haut, dann sollte man die Körperpflege ein bisschen intensivieren und mit Bodylotion nachfetten nach dem Duschen.

 

 

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Aktion „Henna“: Vorher.

 

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Aktion Henna: Während.

 

 

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Aktion Henna, danach: „What the Kupfer?!“

 

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Aktion Henna, nach danach: Resignation.

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