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Liebes Tagebuch XXV.

Der Start in den heutigen Tag war tatsächlich noch bemerkenswerter als gestern. Um halb 6 nämlich ging erst ein tierisches und danach ein menschliches Geschrei los in unserer Bude. Ich tat, was ich in solchen Situationen immer tue: Ich stopfte mir die Ohren mit meinem Kopfkissen zu (Stunden später drang dann die Info zu mir durch, eine tote Maus sei der Ursprung für das Geschrei gewesen. Na dann). Nur wenige Stunden später schüttelte mich mein Freund unsanft aus meinem Schlummer, und ich verfluchte mein gestriges Ich, das ihn damit beauftragt hatte. Heute nämlich, liebes Tagebuch, fing die Arbeit wieder an. Auch wenn sich in Zeiten des Homeoffice die Ferien- und Arbeitstage zunehmend vermischen, heute startete quasi das letzte Quartal für dieses Schuljahr. So verbrachte ich heute einige Zeit vor dem Arbeitslaptop. Ansonsten stand heute wieder der Wocheneinkauf an – endlich wieder Brot! Ausserdem trug mein #BackenAgainstTheCoronaKoller heute ungeahnte Früchte: Es wurde zurückgebacken!! Wie sag ich immer, liebes Tagebuch: Das Universum nimmt – und das Universum gibt. Heute beispielsweise einen leckeren Kokos-Mango-Kuchen. Ansonsten hab ich heute:

  • viel Kaffee getrunken
  • verschiedene Ansprechversuche meines Freundes, der immer noch nicht verstanden hat, dass ich vor 10 Uhr nicht ansprechbar bin, konsequent ignoriert
  • Als Mittagessen wenig inspiriert ein Müesli gebastelt
  • Einen Bericht fertig gestellt
  • Viele Mails geschrieben
  • Irgendwann den Garten gewässert und festgestellt, dass der kalifornische Mohn blüht
  • Diverse andere Pflanzen begutachtet
  • Ein stark riechendes Kraut im Kräutergarten gefunden, das gerade lila blüht – ich weiss noch, dass ich die Pflanze da gesetzt habe, hab aber keine Ahnung mehr, was es ist
  • Einen Zoom-Link für die morgige Weiterbildung erhalten
  • Ein Formular der Reiseversicherung meiner Kreditkarte ausgefüllt – wenn ich Glück habe, kämpft die für mich um das verlorene Geld meiner stornierten Flüge nach Estland
  • Viele Liter Holundersirup mit Limette und Minze getrunken
  • Irgendwann angefangen, Dreckwäsche zu sortieren und die erste Maschine gestartet
  • Herzhaft geniest und mich wirklich schief gelacht, als Ling-Ling just daraufhin anfing, auf mandarin mit mir zu plaudern (irgendwann lerne ich wirklich chinesisch, ich schwörs, und sei es nur, um herauszufinden, was „haatschI!!“ denn nun genau bedeutet)
  • Ling-Ling ihren Dienst verrichten lassen
  • Eine sehr merkwürdige SMS meines Freundes erhalten
  • Seine Erklärung „ich hab der AppleWatch was diktiert“ mit unverhohlenem Spott quittiert
  • Eine umfassende Einkaufsliste geschrieben
  • Joséphine gesattelt und die 300m zum Supermarkt gebraust
  • Bei Ankunft auf dem kleinen Parkplatz festgestellt, dass nur noch ganz hinten in der Ecke ein Parkfeld frei ist
  • In einem würdelosen Verfahren (vor – zurück – vor – zurück- vor ….) vergeblich versucht, dort einzuparken
  • Irgendwann resigniert den Kopf aufs Lenkrad gelegt
  • Beim Aufblicken festgestellt, dass ich gerade zur Belustigung einer ganzen Gruppe junger Männer beitrage – ob die wohl schon was von Social Distancing gehört hatten?!…
  • Mir ausgemalt, wie prickelnd es wäre, die Riesenkarre auf dem benachbarten Feld vor den Augen ihres Besitzers (ja, natürlich einer aus der gröhlenden Gang) einzudrücken
  • Kurz darüber nachgedacht, ob ich einfach komplett schräg und gefährlich nahe an der Riesenkarre stehen bleiben soll & meinen Freund anrufe & ihn bitte, Joséphine unfallfrei aus dieser misslichen Lage zu befreien – mich schliesslich doch mit einem winzigen Funken Reststolz dagegen entschieden
  • Mich dazu beglückwünscht, dass mein Fenster geschlossen ist & ich mir wenigstens die Sprüche der launigen Bande nicht anhören muss
  • Meine letzte Würde zusammengekratzt und schliesslich unfallfrei auf einem freigewordenen anderen Parkfeld eingeparkt
  • Die Nase beim Aussteigen so hoch getragen, dass ich die johlende Meute weit unter mit liess
  • Mein angekratztes Ego damit getröstet, dass ich den grossmäuligen Typen in einer wirklich schwierigen Zeit ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe
  • Im Supermarkt zum ersten Mal überhaupt Leute mit einer Maske einkaufen sehen
  • Die heutigen Merkwürdigkeiten an Hamsterkäufen in Augenschein genommen: Ausverkauft waren nebst den Haselnüssen, dem Frischkäse und der Hefe witzigerweise auch die roten Biolinsen – da bunkert wohl ein vegetarischer Öko im Dorf schon mal für die Linsen-Apoklaypse
  • Das Backpapier im mit Sperrband abgeklebten Regal auf Erlaubnis einer Verkäuferin hin dann doch gekauft
  • Zu Hause bisschen aufgeräumt und den Küchenboden nass aufgenommen – schon wieder
  • Gerätselt, ob wir vor Corona wohl weniger Dreck produziert hatten oder ob uns der Dreck einfach weniger aufgefallen war
  • Auf letzteres getippt
  • Mit Emma der zwoten ein grosses Stück Kuchen bei meiner lieben Freundin in der Stadt abgeholt
  • Unterwegs weitere Menschen mit Masken angetroffen
  • Mich vom Wind um ein Haar vom Velo wehen lassen
  • Mich gefragt, woher das viele Wasser in der Aare wohl herkommt – es hat jetzt mehrere Wochen nicht mehr geregnet, und der Wind trägt zur Trockenheit noch zusätzlich bei
  • Zu Hause erstmal Pizza gemacht
  • Dabei festgestellt, dass ich das falsche Pack Mozzarella eingekauft hatte – erstens war der vorgeschnitten (?!), zweitens ein bisschen zu viel für 1 Pizza
  • Trotzdem den ganzen Mozzarella auf die Pizza geklatscht
  • Sicherheitshalber noch ne Schicht Parmesan obendrauf geraffelt
  • Einen Salat gebastelt
  • Mit meinem Freund diniert und ihm dabei (und das sogar, ohne, dass er darum gebeten hätte) die Highlights der 7 Staffeln Gilmore Girls samt dem Revival 10 Jahre später in einer wortreichen Abhandlung präsentiert
  • Den Kuchen gefuttert
  • Zeit im Internet verbraten

Bis morgen!

Dein Änni

 

Mahlzeit!
Passierschein A38
Schlürf.
Äh… ich dich auch?!
Ist der nicht hübsch??
Was das wohl ist?…
… und das?!…
Könnte es Bohnenkraut sein??
Was meint ihr, ob das wohl genug Käse ist?
Finally.
Das Universum meinte es heute wirklich gut mit uns.

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