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Kassiopeja und die Elefanten.

Zeit für etwas Neues: Ich hab ja schon so einige Kindergeschichten angefangen. Meine innere Kritikerin liess mich jedoch immer davon abhalten, die Geschichte auch zu Ende zu schrieben. Zu fade, zu surreal, zu unlogisch, zu wenig kindgerecht… Egal. Schliesslich besitze ich ja jetzt ein eigenes Stück Internet, und das kann ich nutzen, wie es mir passt, right? Daher folgt hier an dieser Stelle einer der unzähligen Anfänge eines Märchens, das den obenstehenden Titel trägt:

Kassiopeja und die Elefanten

„In einem kleinen Dorf in einem grünen Tal stand ein kleines Haus. In dem Haus wohnte seit einiger Zeit eine Frau mit ihrem kleinen Mädchen. Woher die Frau kam, wusste niemand so recht. Sie war eines Tages mit gehetztem Blick, wenig Gepäck und einem kleinen Kind im Arm aufgetaucht, hatte das Schild im Garten studiert, wonach das Häuschen zu verkaufen war, den Besitzer aufgesucht und dem überraschten Mann den Betrag bar in die Hand gedrückt. Verblüfft hatte er nachgezählt, und noch verblüffter festgestellt, dass der Betrag tatsächlich vollständig vor ihm lag. Er stotterte etwas von Hypothek und Abzahlungsvertrag, doch die Frau schnitt ihm kurzerhand das Wort ab und verlangte den Schlüssel. Ein Blick in ihre wilden dunklen Augen genügte, und der Besitzer tat wie ihm geheissen wurde. In der Nachbarschaft wurde ab da wild spekuliert, wer die dunkelhaarige Frau wohl war, wovor sie weggelaufen war und was es mit dem Baby auf sich hatte. Ein Vater wurde nie gesichtet, und die braven Dorfbewohner ersannen ihre eigenen Geschichten. Gesprächig war die Frau auch nicht, was ihre Herkunft und Geschichte in umso geheimnisvollere Farben tauchte. Sie machte sich daran, das Grundstück zu bewirtschaften und hatte bald einen prächtigen Garten angelegt. Ihr Kleinkind band sie sich mit farbigen Tüchern auf die Brust, oder, je nach Arbeit, auch auf den Rücken. „Nicht einmal einen Kinderwagen hat sie!“, empörten sich die Dörfler. Doch auch ohne Kinderwagen, ohne MuKi-Turnen und ohne gekauften Babybrei wuchs das kleine Kind langsam, aber sicher zu einem eigensinnigen Mädchen heran. Wer die beiden mangels anderer Unterhaltung im Dorf länger beobachtete, sah ein kleines, schwarzhaariges Mädchen im Garten mit kleinen Steinen und Erde spielen, bis die Mutter sie zum Essen hereinrief: „Kassiopeja! Mittagessen!“ „Kassiopeja“, murmelte dann der eine oder die andere missbilligend, „welch merkwürdiger Name! Früher hiessen kleine Mädchen Annelies oder Margret! Wo soll das nur hinführen…“

Wie eigensinnig das kleine Mädchen wirklich war, sollte ihre Mama spätestens an ihrem vierten Geburtstag erfahren.  Kassiopeja wusste spätestens seit ihrem letzten Geburtstag, dass zu dieser Gelegenheit ein Geschenk zu erwarten war. Natürlich dachte sie bereits lange vor dem grossen Tag darüber nach, was sie sich wirklich von ihrer Mama wünschte. Und sie hatte sich zu nichts geringerem als zu einem Elefanten entschieden. Pragmatisch wie sie veranlagt war, dachte sie auch über die Details nach. Viel Geld, sagte ihre Mama häufig, hatten sie nicht, „dafür ein wunderschönes kleines Haus, einen grossen Garten und einander!“, pflegte ihre Mutter anzufügen. Kassiopeja hatte keine Ahnung, was ein Elefant so kostet. Und sie war sich gar nicht sicher, ob ihre Mama so viel Geld hatte. Sie getraute sich daher auch gar nicht, ihre Mama über ihren Wunsch zu informieren. Vielmehr hoffte sie auf ihre Zauberkräfte. Kassiopeja hatte sich bereits seit längerer Zeit aus den bunten Tüchern ihrer Mama ein Zelt rund um ihr Kinderbett gebastelt. Mithilfe ihrer Mutter hatte sie einen Ring an der niedrigen Zimmerdecke montiert und daran die Tücher befestigt. An ihrem Geburtstag verkroch sich Kassopeja in ihr Zauberzelt und wartete einfach. Vielleicht, vermutete sie, wenn man sich in einem richtigen Zauberzelt genug lange den Zauberstab schwang und auf einen Wunsch wartet, wird er einfach erfüllt. Wie auch immer, sehr erfolgreich war ihre Warterei tatsächlich nicht. Und so kroch sie irgendwann wieder hinaus.

Als sie draussen war, begann sie nachzudenken. Wie genau sollte ein Elefant auch in ihr Zauberzelt passen? Sie wusste sehr wohl, dass es kleine und grosse Elefanten gab. Und natürlich wünschte sie sich einen kleinen. Sie war selbst ja auch noch nicht riesig. Aber es konnte durchaus sein, dass selbst ein kleiner Elefant grösser war als ihr gesamtes Zauberzelt.

Ärgerlich war sie trotzdem. Sie schimpfte mit ihrem Zauberstab und drohte: „Eines Tages werde ich dich verbrennen! Jawohl!“ Daraufhin wartete sie eine günstige Gelegenheit ab. Sie wünschte sich ein grosses Feuer herbei, und dann, so beschloss sie, würde sie das blöde Ding einfach verbrennen. Das grosse Feuer blieb jedoch aus, und ausserdem, grübelte Kassiopeja, würde der Zauberstab vielleicht gar nicht brennen. Schliesslich brannte nicht alles, Steine zum Beispiel, hatte sie festgestellt, brannten im Cheminee im Garten ebenso wenig wie der eiserne Grill, auf dem ihre Mama bei speziellen Anlässen Fleisch kross briet. Der Zauberstab schien aus Glas, und darin eingegossen schimmerten farbenfrohe Geheim-Kristalle. Woher genau dass diese Kristalle stammten, wusste nicht einmal Kassiopeja. Den Zauberstab hatte sie von ihrer Mama geschenkt gekriegt.“

 

 

Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Maria
    23. April 2013 bei 21:44

    und der Moral von der Geschicht….?

  • Antworten
    aenni
    24. April 2013 bei 10:35

    Da die Geschichte noch lange, lange weitergeht, ist an dieser Stelle wohl weder Noral noch ein schlüssiges Ende in Sicht. Dies ist wirklich nur der Anfang der Geschichte…

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