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Kassiopeja und die Elefanten, zweiter Teil.

„Irgendwann war Kassiopeja nicht mehr ganz so wütend. Sie überlegte noch einmal: War es wirklich der Zauberstab, der sie ärgerte? „Nein“, dachte sie. „Im Prinzip bin ich ja nur wütend, weil der blöde Zauberstab nicht funktioniert hat.“ Aber eigentlich, schloss sie, wollte sie ja einen kleinen Elefanten. Also war sie doch vielleicht besser wütend darüber, dass sie nun trotz aller Zauberkraft keinen Elefanten gekriegt hatte.

„Vielleicht“, überlegte sie weiter, „habe ich mir den Elefanten einfach zu fest gewünscht. Und jetzt wartet er irgendwo und ich kann ihn einfach nicht herbeizaubern.“ Kassiopeja weinte ziemlich viel an ihrem Geburtstag. Ihre Mama verstand das Ganze nicht recht, denn Kassiopeja hatte viele schöne Geschenke erhalten. Sogar ein kleines Fahrrad. Irgendwann erzählte sie ihrer Mama dann schluchzend, dass sie eben auf einen Elefanten gehofft hatte. Die Mama runzelte die Stirn. Kassiopeja war schon immer ein etwas merkwürdiges Kind, aber von einem Elefanten hatte sie bisher nie etwas erzählt.

Als Kassiopeja etwas grösser war, die Dorfschule besuchte und bereits schreiben konnte, schrieb sie einen langen Brief. Sie wusste nicht, an wen genau sie den Brief adressieren sollte. Sie dachte, irgendein Oberelefant müsste ihr doch einen kleinen Elefanten beschaffen können. Dann, überlegte sie weiter, würde der Oberelefant schätzungsweise ihre Mama fragen, ob sie einen Elefanten auch wirklich behalten dürfe. „Und wenn meine Mama dann zustimmt und der Oberelefant zufälligerweise gerade einen kleinen Elefanten dabei hat, dann würde das bestimmt funktionieren“, sinnierte sie. Über das Thema Elefant hatte Kassiopeja mit ihrer Mama schon länger nicht mehr geredet. Diese wusste zwar, dass Kassiopeja immer noch einen haben möchte, aber sie hatte ihr damals sehr deutlich erklärt, dass Elefanten nicht gerade typische Haustiere sind.

Jedenfalls, dachte sie sich, jetzt bin ich deutlich älter. Ich könnte mich bestimmt um einen Elefanten kümmern. Einen Hund wollte sie nicht, das hatte sie ihre Mama viele Male gefragt, und auch keine Katze, kein Meerschweinchen und keinen Goldfisch, keine Schildkröte, keine Rennmaus und schon gar kein doofes Kaninchen.“

Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Michael
    28. April 2013 bei 16:21

    Deine Kassiopeja-Geschichte gefällt mir. Bin schon gespannt auf den dritten Teil…

  • Antworten
    aenni
    28. April 2013 bei 16:24

    Hihi, Danke, kein Wunder, ist ja auch eine Kindergeschichte… 😉

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