Lebenslage

Du bist erwachsen, wenn…

… an dieser Stelle möchte ich auf meine Betrachtungen über das Erwachsen-Werden wie auch das Erwachsen-Sein eingehen. In meinem Leben gab es eine Phase in der Vor-Pubertät, da wollte ich so schnell als möglich erwachsen werden. Jahre später tat ich ALLES, um eben das möglichst lange zu verhindern. Irgendwann dann kam die Einsicht, dass ich es nun wohl wirklich bin. Hier eine Checkliste, anhand derer man einen derartigen Status feststellen kann:

  • Du fühlst dich nicht mehr geschmeichelt, wenn dich Verkaufspersonal einfach duzt, sondern genervt.
  • Du findest kochende Frauen nicht mehr grundsätzlich anti-feministisch.
  • Du kaufst massenhaft 50%-Fleisch in Bioqualität, um es zu Hause zu portionieren und im eigenen Gefrierschrank einzufrieren.
  • Du schüttest eine seit Monaten angebrochene Flasche Wein einfach weg.
  • Du nimmst nicht mehr Alles an, was gratis ist.
  • Du startest eine Wäsche, bewor du den Bikini als Unterwäsche nutzen musst.
  • Du verstellst dich fast nur noch an Vorstellungsgesprächen.
  • Du kaufst dir ein Smartphone und eröffnest einen Twitter-Account obwohl du dich gerne anachronistisch gibst. Einfach, weil es dir Spass macht.
  • Du bist unter Umständen dazu bereit, für ein Shirt 50 CHF zu bezahlen.
  • Du kannst jetzt auch Orthographie-Fehler machen, ohne dich anschliessend zu geisseln.
  • Du kannst auch mal zugeben, dass deine Mutter recht hatte, damals. (Wehe, die liest das je!!)
  • Du eröffnest ein gemeinsames Konto mit deinem Mitbewohner.
  • Du sprichst jetzt bei Bekannten nicht immer mehr von „Mitbewohner“, sondern nennst ihn auch mal Freund.
  • Es kommt vor, dass du deinem Mitbewohner – ich meine Freund – auch mal direkt sagst, wen dich etwas stört. Ohne das Gespräch vorher mit deiner besten Kollegin detailliert vorzubesprechen.
  • Du bringst als Frau den Ausdruck „meine Freundin“ über die Lippen, ohne gleich eine lesbische Assoziation im Kopf zu haben.
  • In 10 Jahren wirst du deine beste Kollegin wohl „Freundin“ nennen.
  • Du hast allen Ernstes ein Vorsorgekonto eröffnet. Auch wenn nix drauf ist.
  • Du hast tatsächlich eingesehen, dass es Sinn macht, auf deine Gesundheit zu achten.
  • Du kaufst deine Kleider fast alle im Internet. Weil es so bequem ist.
  • Du hast seit über 3 Jahren Haustiere. Und die leben immer noch.
  • Es ist über ein Jahr her, dass dir dein Handy das letzte Mal gesperrt wurde, weil du die Rechnung nicht bezahlt hast.
  • Du machst dir ernsthafte Gedanken über deine berufliche Zukunft.
  • Du sitzt an einem Samstag Abend zu Hause vor dem PC – und bist zufrieden dabei.
  • Du hast deine Schwester schon länger nicht mehr anpumpen müssen, um die Steuerrechnung zu bezahlen.
  • Du kannst auch Ansichten akzeptieren, die von deinen eigenen massiv abweichen.
  • Du hast schon lange keinen wütenden Leserbrief mehr an eine Zeitung geschrieben.
  • Dein Esstisch kostete das Doppelte von deinem ersten Lohn.
  • Du willst schon lange nicht mehr die Welt retten, sondern glücklich werden.
  • Du beginnst, Menschen in deinem Alter, die immer noch in WG’s wohnen, merkwürdig zu finden.
  • Du machst keine Witze mehr über Menschen in deinem Alter, die immer noch bei ihren Eltern wohnen – du machst dir Sorgen um sie.
  • Du bestitzt eine E-Mail-Adresse mit deinem richtigen Namen. Für Bewerbungen.
  • Du hast ein Medium gefunden, das deine Selbstgespräche sozial verträglich ersetzt.
  • Du machst gewisse Dinge obwohl Millionen anderer Menschen das ebenfalls tun (staubsaugen, Bett frisch beziehen etc.)
  • Du versprichst deiner Vermieterin, das Licht im Keller stets zu löschen – und machst das auch.
  • Du vergisst schon mal die weibliche Form in einer allgemeinen Formulierung.
  • Du schämst dich zwar noch ansatzweise dafür, aber es gibt Mainstream-Musik, die dir gefällt.
  • Du erzählst Jugendlichen gelegentlich, Rauchen sei ungesund.
  • Du bist mittlerweile der Ansicht, dass jahrelanges Kiffen wirklich dumm macht wie Brot.
  • Du wirst nicht mehr ausgelacht, wenn du eine Kreditkarte beantragst.
  • Du färbst dir deine Haare nicht mehr selber. Und das Wort „Henna“ jagt dir Schauder über den Rücken.
  • Deine Mutter hat dich schon lange nicht mehr gefragt, ob du dieses Piercing nicht endlich rausnehmen willst. Ja, sie wird alt und sieht nicht mehr gut.
  • Deine AltersgenossInnen heiraten, kriegen Kinder und Einfamilienhäuser um die Wette – eine wahre Epidemie.
  • Du siehst ein, dass manche Frauen in einer absolut traditionellen Hausfrauen-Rolle tatsächlich glücklich sind.
  • Du trägst deinen Reisepass nicht mehr ständig bei dir, mit dem Hinweis, dass du jederzeit am Flughafen stehen könntest und den nächsten FLug – egal, wohin – buchen würdest.
  • Du bist besser versichert als deine Mutter.
  • Es kommt vor, dass du nach dem Kochen und Essen abwäschst und aufräumst.
  • etc. etc.
Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Anita
    13. April 2012 bei 11:11

    Stöhn, dann bin ich wohl nach über 50% positiven Checkpunkten jetzt erwachsen? Mainstream-Musik hab ich ewig verteufelt, aber jetzt höre ich tatsächlich manchmal Radio, Das Rauche ist dem Dampf gewichen und allegemein lege ich es nicht mehr so drauf an, meinen Körper zuschanden zu feiern. Die Kosten (zwei Tage Kater) sind nämlich auch merklich gestiegen seit ich 16 war.
    Aber in vielerlei Hinsicht bedeutet es auch ein wesentlich entspannteres Leben, man ist toleranter, hat viele Alltagsproblemchen nicht mehr (Wäsche, Geschmacksfragen) und alles ist ein Bischen besser geregelt. Und man kann darüber lächeln, was manchen Leute für energie darauf verwenden, bestimmte Sachen demonstrativ gut oder Schisse zu finden.

  • Antworten
    aenni
    14. April 2012 bei 14:20

    Willkommen in der Erwachsenen-Welt! 😉 Lass uns Unsummen für Unnützes Zeugs ausgeben, die letzten freien Quadratmeter unseres Landes mit pompösen Eigenheimen zupflastern, über die heutige Jugend schimpfen und Lana del Rey hören!
    Spass beiseite: Ich möchte keinen Tag jünger sein, als ich es bin. Mag sein, dass ich konservativer bin, dass ich langweiliger bin, dass ich angepasster und egoistischer bin – ich stimm dir voll und ganz zu: Ich bin WESENTLICH entspannter als früher, ich habe gelernt, dass Toleranz nicht nur was mit Integration von Randgruppen oder Offenheit gegenüber fremden Kulturen, Religionen und Lebensweisen, sondern auch mit Integration von Bünzlis, Offenheit gegenüber der eigenen Kultur, der eigenen Wurzeln und dem Verständnis für Frau Müller und Herr Meier. Ich bin froh, dass ich mir nicht JEDEN Tag meine Welt neu organisieren muss und mir Gedanken machen, wie ich nun auf Fremde oder Freunde gerade wirke. In dem Sinne: Ich trinke jetzt einen absolut erwachsenen Tee (ja, das Bier ist ausgegangen… hab ich mich schon über die Öffungszeiten hier beschwert?…) und probiere ein neues Muffin-Rezept aus.
    Hasta la victoria siempre!
    Änni

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