Lebenslage

Die Wohnprofis.

Nein, eine gleichnamige TV-Show, in der Messies, Randständige und IKEA-Opfer in ihren desaströsen Wohnsituationen blossgest porträtiert werden und danach von einer heroischen Crew von blauhaarige Dekotussis und muskelbepackten Heimwerkern ein „super trendiges“ Zuhause verpasst bekommen, gibt es noch nicht. Ich spiele allerding mit dem Gedanken, diese geniale, neuartige Idee als RTL-Format gross aufzuziehen.

Eigentlich geht es hier jedoch um etwas ganz anderes: Wir, mein werter Freund, Schnurrli & Murrli* sowie meine Wenigkeit werden nicht selten damit aufgezogen, dass unsere Wohnsituation, nun ja, etwas unkonventionell anmutet. Nachdem wir nun doch bereits ein Jahr im AKW-Land wohnen, wirkt einiges in unserer Wohnung immer noch etwas provisorisch. Das fängt im Eingangsbereich an: Nein, wir haben es bisher nicht geschafft, uns eine richtige Gardarobe zuzulegen. Ein hoffnungslos überladener Kleiderständer ist alles, was wir hingekriegt haben, die Schuhe stehen irgendwo rum und BesucherInnen mit Jacken und Schals sind quasi selber schuld. In der Küche haben wir zwar einen Tisch und zwei Stühle, jedoch keine Deckenlampe und auch keine Bilder aufgehängt – als Fortschritt zur letzten Wohnung hingegen baumelt immerhin eine Glühbirne von der Decke. Als Statement gegen den Snobismus ist unsere bunte Sammlung an Geschirr anzusehen: Der Grossteil der Gläser sind Werbegeschenke, die Teller und Tassen eine farbenfrohe Mischung aus Erbstücken, Brockenstube, 75%-Aktionsartikeln und Fundstücken aus diversen WG’s – unser Motto bei Gästen ist: Seid froh, wenn ihr einen Teller und Besteck habt und basta!

Der minimalistische Glühbirnen-Trend setzt sich im Bad, im Büro, im Wohnzimmer und im Schlafzimmer fort. Nun ja, so ist es zumindest nicht schwierig, den Leuchtkörper zu wechseln, wenn dies nötig ist – im Bad sticht der ausgeklügelte, platzsparende Badschrank ins Auge, der dermassen schmal ist, dass er mit Schrauben in die Wand verankert werden muss, damit er beim Öffnen der Schranktür nicht kippt. Unglücklicherweise gehört dieses tolle Möbel zu jener übellaunigen Gattung, die sich nicht selber montiert. Er stand bereits 1.5 Jahre unmontiert und daher unbrauchbar in der letzten Wohnung, und nun ebenfalls über ein Jahr im selben Stadium in dieser Wohnung. Zwischen Badewanne und Dusche steht ein ungenutztes „Platzhalter“-Regal. Da sollte die Waschmaschine hin, leider ein Projekt, das aufgrund von massiven Liquiditäts-Problemen ohne Aussicht auf Fortschirtt vor sich hindümpelt – macht ja nix, die zu 90% aus fröhlich wuchernden Schimmelpilz bestehende Waschmaschine der Vermieterin erfüllt ihren Zweck ja längstens!

Waschen für Pilzfreunde!

Wäsche waschen für Pilzfreunde!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser farbenfroher Bestand an Frotteewäsche führt das Sammel-Thema des Geschirrs fort – so gesehen verfolgen wir durchaus eine einheitliche Linie! (Dass es Menschen gibt, deren Frotteewäsche einheitlich ist, also passende Waschlappen zu den Handtüchern und Duschtüchern, schockiert mich immer noch – einheitliche Frotteewäsche?! Wenn ich das nur schon höre!)

Ich könnte mit der Beschreibung unserer Wohnverhältnisse ewig so fortfahren, die Quintessenz jedoch ist schon lange durchsichtig: Nein, „Schöner Wohnen“ kommt hier wohl so schnell nicht vorbei, nein, wir entsprechen nicht einem materialistisch-einheitlichen Deko-Haushalt, nein, den Heimwerker-Preis kriegen wir auch nicht, aber ja, wir sind soweit glücklich und zufrieden mit unserer unserer unperfekten Wohnsituation. Solange die Heizung nicht wieder streikt, solange das Wasser warm aus dem Hahn läuft und solange wir nicht einen stichhaltigen Grund haben, umzuziehen, werden wir wohl noch eine Weile im AKW-Land bleiben. Und wer weiss, vielleicht schaffen wir uns irgendwann Lampen an, vielleicht montieren wir irgendwann den Schrank, vielleicht hängen wir ein paar Bilder auf, vielleicht gewinnen wir im Lotto und können uns eine keimfreie Waschmaschine leisten, wer weiss das schon?

* Ich kann mich nur wiederholen: Nein, unsere Katzen heissen NICHT WIRKLICH Schnurrli & Murrli!!!

Nachtrag: Speziell für meine wunderbare Spa-Frotteewäsche-Freundin: Guckstu!

Ton in Ton?...

Ton in Ton?…

 

 

 

 

 

 

Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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10 Kommentare

  • Antworten
    Steffi
    9. Januar 2013 bei 02:05

    Aufgrund meines sich zunehmend in einen bunten spielplatz verwandelnden haushaltes,wo mit nahezu schon verbissener wühllaune mehrmals täglich sämtliche schränke aus- und umgeräumt werden und der tägliche blick in den badezimmerspiegel durch die seit 15 monaten anhaltendenden nächtlichen ruhestörungen erbarmungslosimmer tiefer werdende augenhöhlen und medusische haarentwicklungen offenbart, gibt es für mich nur noch diese einzige quelle der ästhetik und des ultimativen wellnessgefühls: meine wunderschöne ton-in-ton spa-frottierwäsche…….:-) ich hoffe, du kommst daher trotzdem noch immer gerne zu mir zu besuch und bringst ein gewisses verständnis mit in unser badezimmer! Ansonsten steht für dich zukünftig ein farbig bemalter toneimer mit biologisch abbaubaren wild wuchernden bio-hanf-tüchern auf unserem balkon für dich bereit;-) alles liebe und freunde für immer…..?!

    • Antworten
      Änni
      9. Januar 2013 bei 15:07

      Hihi, solange ich meine Kleidung inklusive Handtasche und Schal nicht farblich auf deine Spa-Froteewäsche abstimmen muss, komm ich euch so oft wie möglich und voller Freuden besuchen – und selbst wenn, nicht mal das könnte mich grossartig davon abhalten, bei dir kaffeetrinkend und tratschend abzuhängen, es würde höchstens dazu führen, dass ich mit deinem Duschtuch als Farbmuster unter dem Arm die Kleiderläden der nächstgrösseren Stadt abklappern würde, auf der Suche nach DER Ton-in-Ton-Spa-Hose… Weil ich die Provokation nicht lassen kann:Für dich, meine Teuerste (das ist übrigens mein voller Ernst), hab ich oben ein Foto eingefügt, da dies in den Kommentaren leider nicht möglich ist – ich hoffe, es bringt deine Spa-Welt nicht völlig aus den Fugen… (dass du mit dem Power-Girlie tagtäglich mehr als genug Chaos zu beseitigen hast, weiss ich, und ich verstehe deinen Wunsch nach EINEM Bereich mit harmonischer Einheit durchaus, möchte ich noch betonen!)
      Ich knutsch euch digital, bis bald!
      Änni

  • Antworten
    Lavendelkinder
    10. Januar 2013 bei 18:55

    Liebe Änni,

    so gern hätte ich viel mehr Fotos gesehen von Deinem charmanten Gemisch. Vor allem das Geschirr hätte ich gern mal beschaut.

    Aber man kann sich ja im Internet nicht so gänzlich veröffentlichen.

    Ich persönlich habe ja bei jedem Umzug sofort alle Lampen und Bilder erhängt. Aber öffne keine Schränke, Schubladen, Kästchen oder Dosen. Schrankschlampe wurde ich schon genannt. Meine Omma würde sowas „Außen hui, innen pfui“ geschimpft haben. Ich sage dazu, Zeit sparen, einfach reinstopfen.

    Aber das mit der Waschmaschine, also da muss was passieren. Mal über Pilzcreme aus der Apotheke nachgedacht? Kann ja sein, die Maschine hat Juckreiz und kann es nicht sagen.

    Graue, wolkenverhangene aber trotzdem heitere und liebe Grüße von hier, wo es dauernd dunkel ist und die Handtücher bunt und zwischen 43 und 15 Jahren alt sind.
    Britta

    • Antworten
      aenni
      14. Januar 2013 bei 13:03

      Hoi Britta,
      Das eigentliche Problem der Pilzbehandlung ist ja, dass die Dame in der Apotheke darauf bestanden hat, dass der Patient selber vorbeikommt – wir sind zwar sicher, dass sich in diesem Ökosystem auch tierische Organismen eingenistet haben, aber ganz so mobil ist das alte Ding dann doch nicht…
      Wir sind in Bezug auf unser Einrichtungs-Verhalten auch deshalb so schluddrig, weil wir nie so genau wissen, wie lange wir noch da wohnen werden. Als die Heizung im November zum wiederholten Mal ausfiel, gingen wir auf Wohnungssuche, als sie wieder funktionierte, haben wir einen Umzug wieder vertagt. Weil wir eine Wohnung mit Garten ausgeschrieben gesehen haben, gehen wir heute Abend wieder eine Wohnung besichtigen – dieses stete Hin und Her führt dazu, dass wir im Honterkopf haben, dass sich eine Montahe von Lampen, Schränken und Bildern gar nicht lohnt
      Liebe provisorische Grüsse,
      Änni

      • Antworten
        Lavendelkinder
        14. Januar 2013 bei 20:12

        Liebe Änni,

        da hoffe ich doch, dass Du heute die Wohnung Deiner Träume findest. Und dort Lampen aufhängst. Oder, aus nostalgischen Gründen, auch nicht.
        Ich drücke die Daumen.
        Weißt Du, was ich gern mache? Ich gehe in Immobilien-Portale und schaue mir das Interieur der angebotenen Häuser und Wohnungen an. Ich liebe das. Wie andere Leute wohnen, das ist so spannend! Am liebsten hätte ich, sie würden auch noch Fotos von ihrem Kühlschrankinnenleben zeigen, dann wäre es perfekt, denn was andere Menschen im Kühlschrank haben, mag ich immer gern wissen. Darum schaue ich bei Freunden in den Kühlschrank rein. Die haben sich schon dran gewöhnt, schütteln den Kopf über mich, aber ich darf das!

        In meinem Kühlschrank? Nun. Ich habe mal einen kleinen Artikel drangeheftet: „Ein halber Apfel verhindert Gerüche im Kühlschrank, ersetzt aber nicht die gründliche Reinigung“.
        Mehr muss ich nicht sagen, oder?

        Liebe Grüße aus dem leicht angeschneiten Tiefland.
        Britta

        • Antworten
          Änni
          18. Januar 2013 bei 18:28

          Hoi Britta,
          Die Wohnung war zwar toll – aber angebaut an ein Einfamilienhaus mit Koi-Teich, Springbrunnen und Wasserfall, mit akkuratest geschnittenenem Rasen, mit penibelst frisierten Hecken, mit Vermietern, die ganz offensichtlich sehr auf ihren Oberklasse-Status bedacht sind – eine Stätte von peinlicher Ordung und – ‚tschuldigung – ausgewachsenem Spiessbürgertum ist für uns zwei Chaoten vermutlich nicht der Ort, wo wir uns wohl fühlen.

          Wie auch immer, was wirklich lustig ist: Seit ich diesen Artikel geschrieben habe, haben wir: 1 Lampe (im Wohnzimmer), 2 Bilder und 1 Kalender aufgehängt. Ich sollte mein Chaos öfter öffentlich beschreiben!

          Liebe Grüsse aus dem Schnee,
          Änni

  • Antworten
    seifenblasenbeats
    11. Januar 2013 bei 21:52

    Ooooh, muss ich mich jetzt schämem weil ich passende Handtücher habe…? ^^ Aber ich mache es wieder wett, denn nach über 1 Jahr baumeln bei uns auch noch die Glühlampen von der Decke. Ausser in der Diele, diese Lampe hab ich selbst gebastelt und bin so stolz wie Oskar drauf, dass JEDER der darunter steht sich genau das anhören muss. 😀
    Liebe Grüße!
    Silke

  • Antworten
    aenni
    14. Januar 2013 bei 13:07

    Hey Silke!
    Klar, jeder und jede hat sich zu schämen, der oder die nicht genauso leben wie wir! 🙂 Quatsch, ich übertreibe gern und oft, aber eigentlich finde ich ja nur: Auch wir, die Master of Provisorium, müssen uns nicht immer rechtfertigen: Unser Wohnchaos ist unsere Sache, Hauptsache glücklich, oder?!
    Chaotische Grüsse,
    Änni

  • Antworten
    Sille
    15. Januar 2013 bei 16:54

    Klingt nach sympathischen Bewohnern, diese Wohnung..

    • Antworten
      Änni
      18. Januar 2013 bei 18:29

      … wenn sympathisch chaotisch bedeuet: Auf alle Fälle! 🙂

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