Lebenslage

Brumm, brumm.

Es ist soweit: 13 Jahre nach erreichter Volljährig- und Mündigkeit bin ich nun endlich bereit, mich um den Führerschein zu bemühen. Warum erst jetzt? Ach. Wie oft ich das wohl bereits von mehr oder weniger überzeugten AutomobilistInnen gefragt wurde?! Nicht zu vergessen dabei ist meine ebenfalls Führerschein-lose Grosstante, die, als sie noch lebte, mich so ziemlich bei jedem Besuch, den ich ihr abstattete, in milder Verständnislosigkeit fragte, ob ich denn nun nicht endlich genug alt sei, um den Fahrausweis zu machen. Ihr Unverständnis, warum das Änni nicht endlich mit dem Auto unterwegs ist, hatte durchaus nachvollziehbare Gründe: Da, wo sie fast bis zu ihrem Tod lebte, am A. der Welt bzw. in den Untiefen der Bergzone 1 im lauschigen Emmental, kommt man mit dem ÖV nämlich nicht hin. Also gar nicht. Der nächste grössere Bahnhof ist fast 8km entfernt, was dazu führte, dass mich auch in fortschreitendem Alter immer irgendein Familienmitglied (das gegen die anderen fahrtüchtigen Mitglieder vermutlich beim Schnick-Schnack-Schnuck verloren hatte) an eben jenem Bahnhof abholen musste. Meine Grosstante lebt nicht mehr, aber auch weitere Teile meiner Verwandtschaft leben an jenem A. der ÖV-Welt, und sie alle werden vermutlich eine ausgelassene Fete steigen lassen, wenn das kleine Änni endlich fahren kann und die zahllosen Taxi-Fahrten ein Ende haben. Doch zurück zur Frage: Mit 18 lebte ich in einer Öko-Hippie-Weltverbesserungs-Blase und war überzeugt, dass ich nie würde Auto fahren wollen. „Es gibt eh schon zu viele Autos auf diesem Planeten“, so mein Credo. Später lebte ich in Bern, wo ein Auto wirklich einfach nur stört. Noch später zog ich mit meinem Automobilisten-Schatz zusammen und hatte ab da nicht nur ein Privat-Taxi samt Chauffeur für allfällige Familienbesuche, sondern auch einen geräumigen motorisierten Einkaufswagen für grosse, schwere, zerbrechliche oder lebende Fracht – samt Chauffeur, versteht sich. Mein Credo in dieser Zeit lautete „mein Geld gebe ich lieber für Ferien aus“ sowie „ein Automobilist pro Beziehung reicht völlig“. Mein Herzblatt sah die Sache aus unerfindlichen Gründen anders, aber das beeindruckte mich wenig. Wie auch immer, letzlich war es doch eigentlich einfach nur das, was mich vom Fahren abhielt: Ich habe Schiss. Schiss vor der Verantwortung, die ich in einem schnellen, grossen, schweren Gefährt trage, Schiss vor der benötigten Konzentration, die man für das Fahren eines schnellen, grossen, schweren Fahrzeugs aufbringen muss, um all die Hinweise, die anderen Verkehrsteilnehmer und all die potentiellen Gefahren rechtzeitig zu erkennen, Schiss auch vor der Konfrontation mit meiner mangelnden Multi-Tasking-Fähigkeit, insbesondere im motorischen Bereich. Ich weiss mittlerweile, dass ich vieles lernen kann, auch im Bereich praktischer Intelligenz, aber ich benötige dazu meist sehr viel mehr Zeit, Geduld und Nerven als die meisten meiner Mitmenschen, und mein letzter Erfolg im Bereich Verkehrskompetenz (= die Erlangung der Traktorenprüfung) liegt nun doch 17 Jahre zurück, eine Zeit, in der ich doch recht selten per Traktor unterwegs war. Traktoren, wenn wir schon beim Thema sind, sind übrigens – zumindest die damaligen Modelle, also nicht diese ultramodernen Industrietraktoren mit abgeschlossener Kabine und 80-120km/h, sodern diese einfachen Dinger für die Feldarbeit und maximal 30km/h – in der Handhabung ungleich unkomplizierter als ein Personenwagen, die kann man im schlimmsten Fall abwürgen oder der Schaltung unschöne Geräusche entlocken, zudem, und das ist eigentlich das noch viel tiefgreifendere Argument in der Kontroverse Auto vs. Traktor, habe ich anno dazumals in der Abgeschiedenheit der Bergzone 1 den Traktor praktisch nie auf einer wirklich stark befahrenen Strasse herumvehikeln müssen; Auf dem Weg in die damals noch existente Käserei mit den vier Milchkannen auf der Heckschaufel bin ich bei grossem Pech vielleicht noch zwei weiteren Traktoren mit Milchkannen sowie bei wirklich grossem Pech noch einem Nachbarsauto begegnet, was auf einer zwar schmalen Strasse, jedoch mit mehreren Hektaren Weideland als Ausweichsmöglichkeit dann doch einfacher zu bewältigen war, als dies eine Fahrt mit einem Auto durch den Feierabendverkehr von Olten vermutlich ist.

Wie auch immer, ich bin, äh, gelinde gesagt, etwas vom eigentlichen Thema abgekommen, denn, entgegen der naheliegenden Schlussfolgerung aus meiner flammenden Argumentation pro den guten alten 30km/h-Traktoren gegenüber, habe ich dann doch nicht die Absicht, mir einen Hürlimann zuzulegen (Frau Lavendel wird spätestens hier ihre bittere Enttäuschung herunterwürgen müssen), sondern, und das ist die eigentliche Botschaft: Ich habe soeben die Theorieprüfung fürs Auto bestanden!

Jawohl. Damit erhalte ich nun bald den Lehrfahrausweis, mit welchem ich mir innerhalb eines Jahres die praktischen Aspekte des Autofahrens aneigenen sollte. Im Klartext: Bald ist es ernst, liebe Leserschaft, bald sitze ich am Steuer. Macht, dass ihr wegkommt, falls ihr euch im Umkreis von 200km befindet, flieht, solange ihr noch könnt, meidet das Schweizer Mittelland grossräumig, oder, noch besser, steigt auf den ÖV um! Was auch passiert, ich habe euch gewarnt.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Clare
    5. Februar 2014 bei 08:10

    HERZLICHEN GLUECKWUNSCH! Das Schlimmste ist somit erledigt. Der Rest kommt von selbst. Weiter so.

    • Antworten
      Änni
      17. Februar 2014 bei 19:55

      Das Schlimmste bisher war die abartig nach verbranntem Gummi stinkende Kupplung des Autos meiner Mama, nachdem ich die Karre gut 40mal abgewürgt hatte :-).

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