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Berndeutsch für Anfänger II: Weibliche Schimpfwörter.

Liebe SprachschülerInnen: Willkommen zur zweiten Lektion. Auch diese werde ich, wie im Titel versprochen, hauptsätzlich besonders klangvollen Schimpfwörtern widmen. Ich möchte betonen, dass es sich hier um eine kleine Auswahl handelt, die mir besonders geläufig ist bzw. die mir besonders gefällt – wer eine breitere Auswahl möchte, der gucke beispielsweise hier; Die zahllosen Begriffe, die quasi 1:1 dem Hochdeutsch entnommen werden (auch hierzulande sind „Arschloch“, „Schlampe“ oder „Wichser“ beliebt), habe ich aussen vor gelassen; ich gehe davon aus, dass meine geschätzte Leserschaft deren Bedeutung kennt (und wenn nicht: Googelt, bis die Maus quietscht!!).

Um auch gendermässig alles richtig zu machen, habe ich meine Favoriten nach biologischem Geschlecht der zu beschimpfenden Person unterteilt. Freuet euch also erstmals auf die folgenden Beschimpfungen für biologisch weibliche Personen:

Bäse„: Wörtlich „Besen“, eine rüde, ungehobelte Frau. „-bäse“ wird oft an ein anderes Schimpfwort angehängt, um zu verdeutlichen, dass es sich um eine Frau handelt.

Chirme„, „Chirmiwyb„: Eine Frau, („Wyb“ = „Weib“) die sich ständig über irgendwas beschwert, die nie zufrieden ist, nonstop jammert oder mühsame Endlos-Monologe führt. „Chirme“ ist auch ein Verb, bedeutet „nölen“, „jammern“, „zetern“.

Chuderluuri„: Eine Frau mit extrem wirrer Haarpracht. Wörtlich bedeutet „Chuder“ laut Internet soviel wie „gehechelter Flachs minderer Qualität“.

„Färlimore“: Wörtlich: Ein Mutterschwein („More„) mit jungen Ferkeln („Färli„). Eine wirklich grobe Beschimpfung für eine Frau; Die Redewendung „di het ta wine Färlimore“ (= die hat sich benommen wie ein Mutterschwein mit Nachwuchs) bedeutet dagegen vor allem, dass sich die Frau mit Haut und Haar für oder gegen etwas bestimmtes gewehrt hat, dass sie sich also quasi benommen hat wie ein Mama-Schwein, das seine Ferkel, durchaus aggressiv, mit seinem Leben verteidigen würde – in dem Zusammenhang ist „Färlimore“ daher vielleicht nicht gerade schmeichelhaft, aber auch nicht grob beleidigend gemeint.

Gäderiwyb„: Eine hagere, ausgemergelte Frau („Wyb“ = „Weib“) ; „gäderig“ ist ein Adjektiv und bedeutet im negativen Sinn „sehniges“ Fleisch; Fleisch, das besonders zäh und aufgrund der Sehnen schwer zu zerkauen ist.

„Gibe“, „blödi Gibe„: „Ziege“, blöde Ziege. Wird (meist ohne „blödi“) aber auch scherzhaft für eine besonders freche/ unerschrockene/ mutige junge Frau verwendet; „Das Gibi“ bzw. „Das Gitzi“ (= Zicklein, junge Ziege) ist die diminutive Form, verniedlichend oder aber für ein (im positiven Sinne freches) Mädchen, das sich nicht alles gefallen lässt (ich nenne mein Patenmädel manchmal so).

„Gumsle“, „blödi Gumsle“: Eine mühsame, nervende Frau.

Grännilisi„, „Grännilise„: Eine weibliche Heulsuse; „gränne“ ist ein Verb und bedeutet weinen, „Lisi“ oder, gröber „Lise„, ist eine Abkürzung für Elisabeth; Ein „Grännilisi“ ist also wörtlich eine weinende Elisabeth (wird auch häufig an andere Wörter angehängt, um klarzumachen, dass es sich um eine Frau handelt).

„Grete“: Eine beschränkte, nervende Frau.

Güezi„: Wörtlich: „Keks“, „Plätzchen“. Eine (meist junge) Frau, die man nicht ernst nehmen kann/will, je nach Kontext abschätzig oder aber scherzhaft/ nicht ernst gemeint. „Büro-Güezi“ bedeutet beispielsweise je nachdem eine junge Frau, die als quasi „Schreibtisch-Täterin“ von der Praxis/ der „richtigen Arbeit“ keine Ahnung hat; kann aber auch einfach „junge, nette/adrette Frau mit Bürojob“ bedeuten.

Gwungerlise„: Eine überaus neugierige/ tratschsüchtige Frau; „Gwunger“ bedeutet „Neugier“, „-lise“ bezieht sich wieder auf Elisabeth.

Haaghuuri„: Eine Frau mit absolut desolater Frisur: Vergleichbar mit „Chuderluuri„. Bedeutet wörtlich „Hag-Eule“.

Hascheli„: In einigen Regionen kennt man den Begriff „Hascherl“. Eine Frau, die beschränkt/ einfach gestrickt ist oder alles Unglück der Welt anzuziehen scheint. „Arms Hascheli“ bedeutet dagegen „armes Ding“.

Lafere„, „Laferiwyb„: Siehe „Schnäderiwyb„. „Lafere“ ist auch ein Verb und bedeutet reden, quatschen.

Rääf„: Eine äusserst unfreundliche, unhöfliche, zeternde, bissige Frau.

Rätschibäse„: Eine weibliche Petze. „Rätsche“ ist ein Verb und bedeutet petzen, der Zusatz „-bäse“ verweist darauf, dass es sich um eine Frau handelt-

Ross„: Wörtlich: Pferd. Eine unschmeichelhafte Bezeichnung für eine derbe Frau, vergleichbar mit „Ruech„. Kann aber auch bedeuten, dass eine Frau besonders stark, mutig, tough ist.

Ruech„: Eine grobschlächtige Frau, mit derben Manieren und grober Sprache, entspricht sinngemäss dem zweifelhaften Begriff „Mannsweib“; Wird oft für Frauen verwendet, die klassische Männerberufe ausüben, Landwirtinnen, Lastwagenchauffeurinnen, Metzgerinnen etc. In den patriarchalischen Gefilden des bäuerlichen Emmentals ist dieser derbe Ausdruck jedoch je nach je auch bewundernd zu verstehen, im Sinne von „… asch es rächts Ruech, aber die schlängget de der Betrib, da chasch nüt säge!“ (= … die ist recht grob(schlächtig) drauf, aber die schmeisst den (Landwirtschafts-) Betrieb mit links, da kann man nichts dagegen sagen!)

Rüedu„: Wörtlich: Ein Rudolf. „Rüedu“ ist die berndeutsche Abkürzung für den männlichen Vornamen. Für eine Frau verwendet, bedeutet dieser Ausdruck so viel wie „Ruech„.

Rybise„: Eine rohe, unfreundliche, schroffe, zeternde Frau. Bedeutet wörtlich „Reibeisen“, so viel wie eine Bircherraffel.

Schabe„: Bedeutet ursprünglich genau das, was es auch auf Hochdeutsch heisst, nämlich (Küchen-) Schabe. Wird im Bernbiet aber häufig analog zu „Gumsle“ oder „Gibe“ verwendet, „blödi Schabe“ bedeutet eigentlich schon fast so viel wie „Toggu“ oder „Totsch„; ich persönlich nenne jedoch auch meine Schwestern scherzhaft öfter so.

Schnade„, „Schnadehude„: Eigentlich (in meinem Empfinden jedenfalls) eine recht grobe Beleidigung, bedeutet so viel „eingebildete Tussi“, „arrogante Kuh“, „strunzdumme Schnalle“. Ich möchte euch jedoch nicht vorenthalten, dass es von Region zu Region zu irritierenden Differenzen kommen kann, was dieses Empfinden angeht. Ich hatte mal eine (ebenfalls berndeutsch sprechende) Chefin, die mich öfter als „Schnadehudi“ bezeichnet hat, womit sie, wie ich dann nach der ersten riesigen Irritation irgendwann kombinierte, ausdrücken wollte, dass ich mich etwas ungeschickt verhalten hatte.

Schnädere„, „Schnäderiwyb„, „Schnäterhäx„: Eine (weibliche) Quasselstrippe/ Tratschtante und meist auch ein Lästermaul. „Schnädere“ ist auch ein Verb, bedeutet „quasseln“, „reden“, „-häx“ bedeutet „Hexe“ und macht mal wieder wenig charmant darauf aufmerksam, dass es sich im Fall um eine Frau handelt.

Soumore„: Siehe „Färlimore„, eine wirklich grobe Beleidigung, eigentlich ein absoluter Pleonasmus („Sou„= Sau, „More“ = Sau).

Toggu„, „Totsch„: Eine extrem unfähige/ dumme/ beschränkte/ faule Frau. Beide Begriffe sind rüde und derb, werden im Emmental aber häufig genutzt, sobald man ausdrücken möchte, dass man diese Frau (in Abwesenheit) im Fall wirklich nicht mag. „Enang Totsch u More säge“ bedeutet, einander die schlimmsten Beschimpfungen auszuteilen.

„Tschättere“: Eigentlich ähnlich in der Bedeutung wie „Schnäderiwyb„, „tschädere“ bedeutet salopp „quasseln“ (eigentlich bedeutet es „Lärm machen“). „Tschättere“ ist aber vielleicht etwas weniger negativ als „Schnäderiwyb„, es drückt weniger aus, dass die betreffende Frau gerne lästert, sondern eher, dass sie über ein gut geschliffenes Mundwerk verfügt.

Wyb,“ „Wyber„: Wie erwähnt: Bedeutet „Weib“, „Weiber“. Es ist jedoch zu sagen, dass „Wyber“ in gewissen Regionen wirklich ganz neutral einfach „Frauen“ heisst. Ist von „di huere Wyber!“ die Rede, kann man jedoch davon ausgehen, dass „diese verdammten Scheiss-Frauen“ gemeint sind.

So, meine lieben Sprachschülerinnen und aussen, ich hoffe, ihr seid ob dem Umfang der Vokabeln nicht allzu ermattet. Wenn doch: Esst einen Muffin, macht Yoga und ein Power-Schläfchen, bevor ihr dann wieder stundenlang Wörter büffelt und vor dem Spiegel die korrekte Aussprache übt. Freuet euch auf die nächste Lektion: Die Anzahl Schimpfwörter für biologisch männliche Zeitgenossen ist um vieles grösser. Voll unfair, schon klar.

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5 Kommentare

  • Antworten
    Die liebe Nessy
    19. März 2014 bei 11:59

    Chirmiwyb. Was ein tolles Wort für … – ach, lassen wir das. Aber sehr treffend. Auch vom Klang her. Geradezu perfekt.

  • Antworten
    Änni
    19. März 2014 bei 14:14

    Wobei das erste „i“ im Berndeutschen eine langgezogene, kehlige Mischung aus „i“ und „e“ ist, was das quasi „mühsame Geräusch“ von herumnölen zusätzlich gut abbildet.

  • Antworten
    Luna
    4. März 2016 bei 05:55

    So Frauen Feindlich!

  • Antworten
    Peter
    13. Dezember 2016 bei 22:34

    Danke. Das ist eine lustige und hilfreiche zusammenstellung. Habe eben „gibe“ nachgeschlagen. Für mich ein nicht so böses schimpfwort, für die empfängerin leider schon…

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