Lebenslage

Änni näht.

Dreissig ist ja bekanntlich das beste Alter, um Neues auszuprobieren. Dazu gehört in Änniland nicht nur ein neuer Job und das Bemühen um den Führerschein, sondern, wie der Titel sagt, auch, mir (wer mich im  Handarbeitsunterricht in meiner Schulzeit erlebt hat, schreit: ausgerechnet!!!) die 40jährige Nähmaschine meiner Oma auszuleihen und frohgemut an das erste Nähprojekt zu sitzen. Nein, ich habe kein Talent, alles, was ich habe, sind eine schusselige Arbeitsweise, notorisch schlotternde Hände und feinmotorische Einschränkungen, jedoch auch ein ungebremster Optimismus und die leicht grenzwertige Euphorie, welche mich bei einem derartigen Experiment wie immer zuverlässig beschwingt. Wohlan denn, die Maschine meines Grosis, das mir in solchen Momenten wohl mit kritisch hochgezogenen Augenbrauen über den Rand ihrer Brille von einer Wolke aus zusieht, ist zwar betagt, dafür von unschlagbarer Qualität:

Die gute alte Bernina.

Die gute alte Bernina.

Das Projekt: Eine simple, ungefütterte Einkaufstasche, ohne Tiefe, ganz einfach zwei zusammengenähte Stoffteile und zwei Henkel. Zu finden ist die Schritt-für-Halbschritt-für Schritt-Anleitung für absolute Anfänger hier.

Weil eine solch einfache Anleitung viel zu öde wäre für meinen Hang zum Grössenwahn, habe ich ziemlich schnell beschlossen, die Tasche noch aufzumotzen. Eine kreative Verzierung musste her! Zum schwarzen Jeansstoff, den ich gekauft hatte, passte ein rotweisser Tupfen-Stoff ganz wunderbar, und so beschloss ich, eine herzförmige „Applikation“ auf den Jeansstoff zu nähen. Die familieninterne Nähministerin versuchte mit rationalen Argumenten wie „mach besser als erstes Projekt wirklich etwas einfaches“, subtilen Beleidigungen „Änni, du überschätzt dich masslos!“ bis hin zu Kompromiss-Vorschlägen „näh doch ein paar Rüschchen drauf, das ist viel einfacher!“ vergeblich, mir diese wunderbare Idee auszureden. Was sich in meinem Schädel festgesetzt hat, lässt sich nicht einfach wegargumentieren, und so machte ich mich heute Nahcmittag daran, meine erste selbergenähte Tasche fertig zu stellen.

 

Erstmals die Basics: Henkel nähen, annähen.

Erstmals die Basics: Henkel nähen, annähen.

 

Das ganze bügeln.

Das ganze bügeln.

 

Das Vlies aufbügeln...

Das Vlies aufbügeln…

 

... und mit Zickzackstich aufnähen.

… und mit Zickzackstich aufnähen.

 

Ein letztes Mal den Stoff anzeichen...

Ein letztes Mal den Stoff anzeichen…

 

 

 

 

 

 

 

 

... fertig!

… fertig!

 

(Falls sich Firmen wie H&M, Esprit, Manor etc. für meine Produkte interessieren: Mein Manager nimmt gerne Anfragen für die Massenproduktion an, Kontakt unter aenniontour@gmail.com )

Mit einem Zaubestab bewaffnet, latent sarkastisch, chronisch verpeilt und nur dezent grössenwahnsinnig.

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