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Änni kocht Ingwer-Sirup.

Prolog:

Jahrelang versuchte ich, meiner relativ speziellen Sozialisation zu entkommen. Damit meine ich nicht nur, dass ich mir bisher mit voller Absicht keine eigenen Kühe angeschafft habe, sondern auch, dass ich mich sehr bewusst von archaischen Rollenbildern fernhielt, was in meinem speziellen Fall vor allem hiess: Ich koche nicht, ich backe nicht, ich putze nicht. Das ist ja SO feministisch, ist mir mittlerweile auch bewusst… wie auch immer: Eines schönen Tages, irgendwann zwischen Postbubertärem Trotzverhalten und Altersdemenz, stellte ich ziemlich schockiert fest, dass ich eigentlich, im Grunde genommen, gerne koche. Ein paar Jahre verstrichen, und ich benutzte auch den Backofen nicht mehr ausschliesslich für Fertig-Pizzas. Das Putzen?… äh, anderes Thema.

Wie es so geht im Leben, die eigenen Wurzeln holen einen immer ein, irgendwann. Was dazu führen kann, dass frau Beeren sammeln geht, mühevoll entsaftet und dann zu Konfitüre oder Desserts verarbeitet – genau so, wie es die Frauen meiner Familie seit Jahrhunderten getan haben. Der Unterschied liegt in den Details: Ich mache das weder aus ökonomischen noch aus patriarchischen Zwängen, sondern aus reiner Freude. Und ich werde in meinem ganzen Leben keinen Holunderbeeren-Sirup kochen (soll offenbar irrsinnig gesund sein, aber wer den Geschmack kennt, weiss, was ich meine…), sondern eben beispielsweise Ingwer-Sirup.Wie das so abläuft, das möchte ich der Welt nicht vorenthalten:

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Änni kocht Ingwer-Sirup:

Tag X, Änni entdeckt das Internet. Wahnsinn, was es da alles zu sehen gibt! Was einem da alles angeboten wird! Änni denkt kurz über eine Penisvergrösserung nach, entscheidet sich jedoch dagegen, als sie folgendes findet: Rezept für Ingwersirup . Änni ist ganz aus dem Häuschen: Sirup kochen! Ohne Mama Änni im Rücken, die alles kommentiert und alles besser weiss! Und Ingwer! So exotisch!

Änni zieht los, in den nächsten „Supermarkt“.

„Ing… was?! Trudi, weisst du, was das ist?! … [missbilligendes Getuschel] …nein, junge [kurze, abfällige Musterung von Ännis Häkelmütze] „Dame“, sowas gibt’s hier nicht!!“

Geknickt zieht Änni von dannen. Zum Glück hat sie Freunde in der grossen, bösen Stadt. Also der wirklich grossen. Mit über 50’000 Einwohnern! Die bringen ihr beim nächsten Besuch ein Care-Paket mit einem halben Kilo Bio-Ingwer mit. Juchuu!

Frohgemut macht sich Änni ans Werk. Ok, da heisst es was von „500 Gramm geschältem frischen Ingwer“. Kein Problem für Änni. Denkt sie. Gut 65 Minuten, drei Schreikrämpfe, eine Menge lasterhafter Flüche und ein, zwei Bier später kommt Änni zur Erkenntnis: „Ingwer schälen“ ist das Unding des Jahres. [Wer mir das nicht glaubt, der schäle ein halbes Kilo Ingwer. Vorher müssen wir DARÜBER gar nicht erst reden!].

 

Der Gegner.

Der Gegner

 

Sieg! Sieg! Sieg!

 

Der Frust ist bald verraucht, Änni hat ihren Optimismus wieder. War ja alles gar kein Problem! Sie schneidet den Ingwer in exakte 5mm-Scheiben und wirft den Herd an. Juchu, schon bald mit selbstgemachtem Sirup bluffen! Änni schmiedet euphorisch Pläne. Sie könnte das ja gross aufziehen: „Ännis Bio-Ingwersirup“ – per Internet würde sie den bestimmt los, wenn man bedenkt, was da alles gekauft wird! Änni skizziert schon mal eine Probe-Ettikette. Hmm, wie gross muss die wohl sein, damit sie auf die Flasche passt?… Änni beginnt zu rechnen. Also die Flasche… Moment… Flasche?! Was für eine Flasche?!…

Änni stutzt. Liest das Rezept noch mal, diesmal ganz durch.

„…absieben und in saubere Flaschen mit Ploppverschluss füllen.“

Flaschen? Ploppverschluss? … Änni erbleicht. In ihrem Haushalt tummelt sich so einiges, darunter auch eher unerwünschte Mikroorganismen, aber Flaschen?… Ausgerechnet heute war Änni mit dem ganzen Altglas los. Und „Ploppverschlüsse“ hatten die Weinflaschen auch nicht, von den Bierflaschen ganz zu schweigen. Während die Ingwer-Brühe munter vor sich hin köchelt, muss sich Änni erst mal setzten. Und tut dann das, was sie in solch erschütternden Situationen immer tut: Sie ruft ihre Mama an. Genau, die, die immer alles besser weiss. Ja, Änni ist ja so erwachsen….

„Hallo Mama. Ich koche Ingwer-Sirup, im Fall!“

„Ingwer? [missbilligendes Schnauben] Was ist das schon wieder komisches?…“

„Äh, das erkläre ich dir ein ander Mal. Ich hab da ein Problem…“

[kurze Schilderung der prekären Umstände]

„[lange Stille] [ergebener Seufzer]… ach, Änni!!!“

[ausführliche Schilderung der Debilität eines Menschen, der ein Rezept nicht zu Ende liest, der sich nicht überlegt, dass man Vorräte auch aufbewahren muss, der TATSÄCHLICH keine Flaschen mit Ploppverschluss zu Hause hat – kurzer Exkurs, was genau alles in einen guten Haushalt gehöre – und am Schluss folgendes:]

„Ach Änni. Ich komme morgen vorbei, und bringe dir solche Flaschen mit. ABER NUR, WEIL DU ‚MEIN LIEBLINGSÄNNI‘ [der Sarkasmus ist greifbar] BIST!!!“

… und der Ingwer? Genau, der köchelte weiterhin friedlich vor sich hin. Leider sah sich Änni nun anhand der geänderten Umstände dazu gezwungen, für den Besuch von Mama Änni parallel noch einen Kuchen zu backen. Multitasking à la Änni sieht etwa so aus:

 

Backe, backe Kuchen!

Backe, backe Kuchen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… doch Änni gibt ja nicht einfach auf. Mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten trickst sie ihre motorischen Einschränkungen einfach aus, und so kommt es doch noch zu einem Happyend!

 

Der Ingwer, den ich rief...

Der Ingwer, den ich rief…

 

Äpfel-Päi mit kleinen Schönheitsfehlern DIE ICH IGNORIERE!!!

Äpfel-Päi mit kleinen Schönheitsfehlern DIE ICH IGNORIERE!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ha! Selbstgemachter Ingwer-Sirup!!!

Ha! Selbstgemachter Ingwer-Sirup!!!

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Epilog:Der Ingwer-Sirup, die „Äpfel-Päi“ [Zitat Mama Änni], ein weiteres Öufi und Änni umarmen sich (ja, das gab eine Sauerei…), stossen zusammen an und trinken sich gemeinsam schön. Nastrovje!

Mein treuer Freund in allen Lebenslagen

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