Lebenslage

Änni, die erhabene Göttin der Erleuchtung.

Wenn man mit einer derartig überbordenden Weisheit gesegnet ist wie ich, wäre es enorm ungerecht und fahrlässig, wenn ich diese nicht mit all meinen Mitmenschen teilen würde. Ein hartes Los, übrigens, diese absolute Unfehlbarkeit, macht sie mich doch sehr einsam: Abgesehen vom Papst stehe ich auf der weiten Welt alleine da mit dieser Gabe, und da ich nicht katholisch bin, fehlt auch uns beiden quasi das Thema. Aber nun gut, ein höheres Wesen, wenn es denn ein höheres gibt als mich, was einigermassen unglaubwürdig klingt, oder aber das Schicksal hat mich nun mal auserkoren, die unendliche Weisheit zu besitzen, und damit auch meine Mitmenschen davon profitieren können, teile ich sie gerne. Im Sinne von: Ich teile sie gerne mit. Meine Weisheit. So gebe ich meinen unwissenden Mitmenschen gerne Ratschläge oder verteile gerne tiefsinnige Kommentare, um auch ihnen Zugang zu höheren Erkenntnissen zu verschaffen. Kaum eine Schilderung persönlicher Probleme, welche ich nicht in gütiger Absicht mit ein paar Sätzen quittiere, welche einen kleinen Einblick in meine unfassbare Genialität gewähren – und die Probleme meines Gegenübers, würde es sie denn befolgen, quasi in Luft auflösen würden. Jawohl, ich BIN das dritte Auge der Erkenntnis! Zu schade, dass meine Mitmenschen mit dieser unendlichen Überlegenheit offensichtlich völlig überfordert sind, was sich in befremdlich derben Äusserungen wie „Klugscheisserin!“, „Vergiss es!“ oder entgleistem Augenverdrehen führt. Unverständlich und traurig zugleich, dass diese Unbedarften sich den Zugang zu den Perlen meiner Weisheit verbauen, Erkenntnisse, für die manche ein Vermögen ausgeben würden.

Welch Schande, dass die Zeitalter vorbei sind, in denen ich als Prophetin, Orakel, oder aber, mein Favorit, „erhabene Göttin der Erleuchtung“, verehrt, mit reichen Gaben und Opfern, (ja genau, da sind wir wieder bei meiner Schwäche für Menschenopfer!), mit verschwenderischen Riten – ich denke da an Tänze muskulöser halbnackter Jünglinge – und demütiger Unterwerfung in einer Form angebetet worden wäre, die meiner würdig wäre. Fürwahr!

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8 Kommentare

  • Antworten
    Katharina
    12. September 2013 bei 19:30

    Ich sehe Sie heute vor Bescheidenheit strotzend. Weshalb so demütig, werte Frau Änni?

    • Antworten
      Änni
      12. September 2013 bei 19:37

      Ach, schlechter Tag, in dem mir das Unvermögen meiner Mitmenschen, meine unendliche Überlegenheit und Erleuchtung adäquat zu würdigen, einmal mehr vor Augen geführt wurde und mein Bedauern schliesslich meinen Selbstwert angriff. Normalerweise bin ich ja nicht dermassen von Selbstzweifeln geplagt, ich hoffe, morgen habe ich mein gesundes Selbstvertrauen wieder.

  • Antworten
    lavendelkinder
    14. September 2013 bei 21:17

    Liebe Änni, alles klar? Oder warst du am Holzkästchen?

    • Antworten
      Änni
      15. September 2013 bei 17:17

      Am Holzkästchen? Äh… Was bedeutet das? Am Holzkästchen mit den Hasch-Brownies drin? 🙂

  • Antworten
    lavendelkinder
    16. September 2013 bei 09:06

    Liebe Änni,
    es war gar nicht aus Holz. Ich wollte es ein bisschen verschleiern. Ich meinte das Kästchen hier:
    https://www.aenni-on-tour.ch/7-sachen-9/
    Es verbeugt sich ehrerbietigst,
    Britta

    • Antworten
      Änni
      16. September 2013 bei 17:56

      Hihi. DAS Kästchen hatte ich ganz vergessen! Und dennoch war ich nahe dran – da sage noch ein Ungläubiger, mein Scharfsinn sei nicht übernatürlicher Natur… (Ich hoffe jetzt für dich, dass du es nicht im Kreuz hast und nach der Verbeugung auch wieder auf die Beine kommst!)

  • Antworten
    lavendelkinder
    16. September 2013 bei 20:07

    Ich sag mal so, die Wärmflasche und ich sind jetzt mal wieder gute Freunde. Und das laute Knacken hat mich an morsches Holz erinnert.

    • Antworten
      Änni
      16. September 2013 bei 20:33

      Dafür sei dir mein Wohlwollen gewiss. Was in Anbetracht meiner Göttlichkeit weit mehr als nur ein paar splitternde Wirbel aufwiegen sollte!

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